
Steinbach-Hallenberg.
Ich wüsste auch nicht wo das liegt. Im Normalfall. Ein Örtchen tief im Thüringer Wald, irgendwo im Nirgendwo. Kein Ort, an dem man zufällig vorbei kommt – und das, obwohl er es mehr als verdient. Ihr werdet sehen.
Viele Geocacher, die über ihre sogenannte Home Zone hinaus gucken, werden ihn zumindest schon einmal gesehen haben, wenigstens auf einer Karte. Denn Steinbach-Hallenberg ist vor einigen Jahren ein kleines Mekka für Geocacher geworden. Denken sie an diesen kleinen Ort, denken sie gleichzeitig an das TeamZensationell.
Es ist diesem Duo zu verdanken, dass jene Kleinstadt auf den Karten vieler tausend Spieler aufgetaucht ist – und wohl dauerhaft im Fokus bleibt. Das Team Zensationell hat, nun ja, Sensationelles geschafft. Seit 2017 sind sie aktive Owner und haben irgendwann einen sehr hohen Standard geschaffen. Schaue ich mir die lange Liste der von ihnen gelegten Caches an, würde ich das Jahr 2019 als den Punkt einordnen, an dem sie spätestens überregionale, vielleicht nationale Bekanntheit erlangt haben dürften. Spätestens mit dem in jenem November veröffentlichten Panzerknacker (GC8E3B9) haben sie einen Cache geschaffen, der in dieser Art einmalig sein dürfte.
Neben unzähligen kleineren Projekten folgten die unfassbar arbeitsintensiven und unglaublich liebevoll gestalteten HoHoHo (GC9M900) im Jahr 2022, der Da Zensi Code (GCA5ZGZ) 2023, Valentins Tagebuch (GCACEEC) 2024 bis hin zum neuesten Wurf dieser Größenordnung, Das LABOR (GCB5XV8) im letzten Jahr.
Natürlich werde ich hier kein einziges Wort darüber verlieren, was einen dort erwartet. Ich kann lediglich sagen, dass man in den genannten Caches auf teils kleinstem Raum mehrere Stunden Spaß hat. Escape-Rooms, die mehr und deutlich längeren Spaß versprechen als die kommerziellen Pendants, und das gratis. All diese Caches haben jeweils eine vierstellige Anzahl an Favoriten auf sich vereint – bei einer Quote von nicht unter 95% und stets auf Monate hinaus ausgebuchten Terminen. Das heißt, tausende Besucher und nahezu alle waren begeistert.
Ja, davon gibt es noch mehr in Deutschland, allesamt großartige Erlebnisse, uneingeschränkt. Doch ich möchte auf einen ganz bestimmten Punkt hinaus. Denn hier haben wir es mit Geocaches zu tun, die nicht einfach irgendwo versteckt im Wald stehen, oder verschämt auf ein entferntes Feld verschoben wurden. Die hier betrachteten Werke befinden sich zum Teil mitten im Ort. Sie stehen auf einem Parkplatz der örtlichen Kirchengemeinde, spielen in einem Museum, in einer restaurierten Burg, in alten Kellern direkt im Zentrum des Ortes – oder, so genau sollte man sein, dessen Nachbarn, Viernau. Das ist nur möglich, weil die Einwohner hier mithelfen. Man geht in seinen verdreckten Klamotten einfach in die Touristeninformation und erntet jedes einzelne Mal ein unglaublich freundliches Lächeln. Man outet sich dort als Geocacher und bekommt einen Schlüssel für ein historisches Gebäude in die Hand gedrückt. Auf Vertrauensbasis.

Die Ortschaft (ich schließe Viernau hier einmal mit ein), hat offensichtlich gelernt, dass die Werke der Zensis Touristen anziehen. Menschen, die sonst ganz sicher niemals von diesem Ort erfahren, geschweige denn, ihn besucht hätten. Geocaching führte dazu, dass hier am Tag mehrere Teams mit drei oder mehr Mitgliedern vorbei kommen. Sicherlich, nicht jedes wird das örtliche Hotel benutzen. Doch allein wir sind inzwischen zum zweiten Mal vor Ort gewesen. Gefühlt haben wir beim Italiener bereits einen Stammplatz, wir sahen ein tolles Museum, das uns vielleicht entgangen wäre – mal im Ernst: Metallhandwerksmuseum; doch, ja, es war wirklich spannend. Wir kauften bei örtlichen Händlern unser Reiseproviant und wir genossen mehrfach das örtliche Eis. Wir ließen jedes Mal Geld dort, wie es brave Touristen zu tun pflegen.
Das haben sie dort offensichtlich gelernt. Und das wiederum führte zu einer Öffnung gegenüber dem Hobby. Es ergaben sich dadurch immer mehr Möglichkeiten, immer spannendere Spielplätze und das zieht die Leute immer wieder an – so wie uns. Gerade wenn man unsere komplett gegenteiligen Erlebnisse mit der Stadt Berlin zur Ausrichtung der Geocaching-Meisterschaft betrachtet, weiß man diese offene Art umso mehr zu schätzen. So etwas geht nicht von allein. Da steckt ganz sicher ein großes Stück Arbeit drin – nicht nur in den Caches selbst, die über Jahre ihre Qualität halten müssen -, sondern auch die Arbeit mit den Menschen der Gemeinde selbst. Stück für Stück ein Aufbauen eines großen Vertrauens. Das scheint gelungen. Es bleibt nun zu hoffen, dass wir Geocacher es nicht enttäuschen.
Der eigentliche Auslöser für diesen Text war unser letzter absolvierte Cache: Der Grafenschatz der Hallenburg (GCBH30G). Es ist keiner der ganz spektakulären Würfe. Aber er demonstriert das Geschilderte sehr gut. Hier wurde ein Trim-Dich-Pfad mit dreizehn Stationen von der Gemeinde neu gestaltet. Und irgendwie hat sich das Team Zensationell wieder einmal mit der Stadt zusammen gefunden. Anstelle einfach nur schnöde irgendwelche Geräte aufzustellen, und ein kleines Anleitungsschild irgendwo dazuzuhängen, wurden alle Schilder zweigeteilt. Links findet sich eine Anleitung für die Fitnessfreunde und rechts wird einfach eine nette kleine Abenteuergeschichte erzählt. Dazu wurden an oder neben den Geräten kleine Hinweise versteckt, die man erkennt, wenn man diese auch benutzt. Sportanimation mal anders. Und so erreicht man, dass an diesem Parcours eben noch mehr Touristen vorbei kommen, dass sie am Start oder Ziel noch ein Getränk am Kiosk kaufen und einen fantastischen Blick ins Tal genießen. Obendrein wurde diese Abenteuergeschichte zusammen mit einer Gruppe Schülern gestaltet: An jeder Station findet sich ein QR-Code, der jeweils zu einem kleinen Video führt, in welchem die Schüler eine Geschichte von Räubern und Rittern erzählen. Dieser Cache zeigt, was alles entstehen kann, wenn alle einfach mal an einem Strang ziehen.

Bei uns hatte man nie das Gefühl, dass genau dies auch nur im Ansatz möglich war. Bei uns hatte man stets das Gefühl, dass man uns immer nur abgewiesen hatte, weil die Angefragten schlicht keinen Vorteil für sich entdecken konnten oder die notwendigen Behörden einfach keine Lust hatten, sich womöglich mit irgendetwas Neuem beschäftigen zu müssen: Geocaching? Das geht gar nicht, komm lass uns mal irgendeinen Paragraphen suchen, der das mit genügend Fantasie verbieten könnte.
Doch Steinbach-Hallenberg ist anders. Steinbach-Hallenberg zeigt, dass vieles geht, wenn man will. Und dass am Ende alle davon profitieren können. Denn natürlich, obwohl die Caches an sich gratis sind, spendet man in die stets präsente, finale Spendenbox einen Obulus. Um die Bau- und Reparaturkosten mitzutragen, um dem Museum nachträglich den Eintritt zu zahlen, um einen kleinen Teil der Restauration des Burgturms zu übernehmen. Um all die Spielorte zu erhalten, die hier so großzügig zur Verfügung gestellt wurden.
Steinbach-Hallenberg ist anders. Steinbach-Hallenberg ist besser. Danke für alles, an die Gemeinde und natürlich das Team Zensationell. Wir kommen gerne wieder!

PS: Diese guten Beispiele muss man mit der Lupe suchen, doch es gibt sie. Das schöne Dillenburg/ Weilburg beispielsweise, mit den Cachern rund um das Team der finkenpiraten, kann hier auch genannt werden. Allerdings habe ich bisher nur in Steinbach-Hallenberg eine Eistruhe auf Vertrauensbasis erlebt – und das zeigt echtes Vertrauen in die Gemeinde!
