Weniger ist mehr. Diese Devise versuche ich in meinem Geräte-Fuhrpark, insbesondere auf meinem Schreibtisch, inzwischen strikt zu verfolgen. Doch manchmal gilt dann eben auch: Wer billig kauft, kauft zweimal. Ich musste aufrüsten.
Warum es besser war, von dem hier…

… darauf…

umzusatteln, das versuche ich im Folgenden zu erklären.
Das Zielbild
Ich besitze einen privaten Laptop, meinen tollen Framework, sowie einen von und für die Arbeit. Auf meinem Schreibtisch befinden sich im Grunde zwei Monitore, sowie ein Paar Lautsprecher und ein bisschen USB-Peripherie, wobei besonders interessant ein USB-Stick ist, der mir als Zwischenspeicher dient, wenn ich mal Dateien von einem zum anderen Gerät schieben möchte, da diese keine Netzwerkfreigaben aufeinander haben (sollen).
Egal an welchem Rechner ich gerade aktiv bin, möchte ich beide Monitore und alles andere an genau diesem Gerät nutzen. Wechsle ich also den Rechner, sollte demnach im Idealfall ein Knopfdruck genügen und alles Angeschlossene wechselt ebenfalls zu jenem Gerät. Außerdem versteht es sich von selbst, dass die Computer selbst nur mit einem einzigen Kabel an das System angesteckt werden, um ein totales Durcheinander und manuelles Kabelumstecken zu vermeiden.
Die Historie
KVM-Switches gibt es schon, seit ich denken kann. Selbst meine ersten beiden Computer, ein von meinen Eltern ausgesonderter Pentium 133Mhz und kurz darauf ein von meinem Großvater ausgesonderter Pentium mit schon unfassbaren 166 Mhz, wurden mittels eines solchen kontrolliert. In meinem Kinderzimmer gab es nicht viel Platz und somit war ein zweiter Röhrenmonitor, beziehungsweise eine zweite Tastatur und Maus für den zweiten Rechner absolut indiskutabel. Mein Opa lieferte den Umschalter, den KVM, damals gleich mit. So konnte ich gleichzeitig an beiden Geräten „arbeiten“ und musste nur den Drehschalter (!) bedienen, um die PS/2-Eingabegeräte sowie den VGA-Monitor jeweils an den einen oder anderen Rechner anzuschließen.
Die modernisierte Technik macht immernoch das gleiche, nur in sehr viel kleiner. Schon einige Jahre lang hatte ich so einen kleinen KVM in Betrieb, um meine damals noch USB-gebundene Tastatur, Maus und einen von zwei (!) Monitoren vom privaten Gerät zum Arbeitsrechner umzuschalten.
Das bisherige Setup
Eigentlich könnte heutzutage alles ganz einfach sein. Man braucht im Grunde nur noch ein einzelnes, modernes USB-C-Kabel mit integrierter Stromversorgungsfunktion, um einen Laptop an eine Docking Station zu packen. Da hat sich in den letzten Jahren dank Standardisierung sehr viel getan. Alles wird über den kleinen Anschluss geliefert: hochauflösende Bildsignale nebst Eingabegeräten, Audio und eben auch gleichzeitig den notwendigen Strom.
Daher kann man nun auf die Idee kommen, dass das alles gar nicht so schwer sein kann: Man benötigt prinzipiell nur eine Art Docking Station, wo man einfach zwei statt einem USB-C-Eingang hat, zwischen denen man nur noch hin- und herzuschalten braucht.

Auch wenn ich schon beim ersten Mal nahezu schockiert war – und es, da greife ich vor, immernoch beziehungsweise schon wieder bin -, dass es hierfür offensichtlich nahezu keinen Markt zu geben scheint, wurde ich irgendwann fündig:

Mit einer handlichen Größe von nur siebzehn Zentimetern Breite sollte diese Anker Docking Station all meine Bedürfnisse befriedigen. Sie hatte zwei USB-C-Eingänge, zwei digitale Monitorausgänge, einen kleinen Umschaltknopf und versprach sogar, beide Laptops gleichzeitig laden zu können, auch den inaktiven. Kostenpunkt damals: 170€.
Es funktionierte… irgendwie. Ich gebe zu, ich war nie sonderlich zufrieden damit. An meinem Arbeitsrechner gab es keinerlei Beanstandungen. Doch mein privates Gerät hatte immer wieder Probleme, die Monitore sauber zu erkennen. Manchmal wurde das Dock gar nicht erkannt, eigentlich nach jedem Neustart musste ich kurz den Stecker ziehen und hin und wieder kam es zu kurzen Bildaussetzern oder Flackern. Etwas nervig, aber selten genug, um das zu ignorieren. So weit, so gut.
Dann bekam ich ein neues Arbeitsgerät. Und das wollte so gar nicht mit dem Rest kommunizieren.
Das neue Setup
Ich machte mich also schlau. Und je tiefer ich abtauchte in die Welt der Technik, umso teurer wurde die „Reparatur“. Wie immer. Recherchen in Technikforen führen stets zu großen Löchern im Finanzhaushalt. Immer. Ausnahmslos. So auch hier.
Es stellte sich heraus, dass es zwar hier und da vereinzelte Geräte gibt, die meinen Anforderungen entsprechen, doch alle waren von mehr oder weniger dubiosen China-Firmen (wie Anker auch) und hatten so gut wie keine, oder wenn, dann schlechte, Referenzen. Es scheint eben nach wie vor keinen Markt für solch ein Setup zu geben. Zwei Laptops parallel mit zwei Monitoren betreiben. Das erscheint mir jetzt nicht besonders aufregend, und doch scheint das die Menschheit heutzutage nicht zu benötigen.
Die Lösung, die überall genannt wurde, war: Suche nicht ein Gerät, das alles kann, sondern nimm lieber ein Gerät für jede einzelne Aufgabe und diese dafür von Markenherstellern. Dann sollte es keine Probleme mehr geben.
Was heißt das?

Genau, mehr Geräte auf dem Schreibtisch, jede Menge mehr Kabel – und natürlich sehr viel mehr Kosten. Ein Gerät für eine Aufgabe. In der Softwarearchitektur spricht man vom Single-Responsibility Principle. Hätte ich mir auch gleich denken können. Das erste Gerät ist also die Docking Station. Sie nimmt die Signale vom Laptop entgegen, versorgt diesen mit Strom und stellt Ausgänge zur Verfügung. Alltägliche Aufgabe, jeder Laptophersteller hat millionenfach getestete Geräte dazu im Sortiment. Doch zwei Laptops brauchen demnach auch zwei Docking Stations – doppelter Fuhrpark also. Der KVM in der Mitte nimmt nun die bereits separierten Bild-, Audio- und USB-Signale der Docks entgegen und muss diese dann nur noch verteilen. Der KVM ist also um die Aufgaben der Stromverteilung sowie der Signaltrennungen erleichtert. Deswegen kostet so ein KVM auch mehr als das Gerät, das alles konnte. Ist ja klar.
Weil es so schön ist, hier noch einmal das Ergebnis:

Ja, ich finde das auch eher bescheiden. Aber es funktioniert. Die Bilderkennung ist stabil, die Stromversorgung nach einigen anfänglichen Problemen, die nicht den neuen Geräten zuzuschreiben sind, auch. Immerhin. Die Laptops hängen nun an je einem gebrauchten, wiederaufbereiteten Lenovo Thinkpad Thunderbolt 3 Gen 2, und dazwischen befindet sich ein ATEN CS1942DPA. Kostenpunkt insgesamt 490€. Wer billig kauft, kauft zweimal. Es wäre zwar tatsächlich etwas preisgünstiger gegangen, aber ich wollte gleich ein wenig für die Zukunft vorausplanen. Über kurz oder lang werden meine HD-Monitore wohl welchen größerer Auflösung weichen müssen – und spätestens dann wäre der Anker endgültig ausgestiegen.
Ein weiterer Vorteil: Sollte es jetzt zu einem Problem kommen, lässt sich dieses dann immerhin auf ein konkretes Bestandteil eingrenzen, anstatt sagen zu müssen: Das Gerät geht irgendwie nicht. Vielleicht reicht in der Folge auch nur der Wechsel eines Kabels.
Das große Aber
Ich bin nicht rundum zufrieden. Denn es war nicht mit Einstöpseln und loslegen getan. Leider.
Erstens. Wie schon angedeutet: Die Stromversorgung an meinem Framework lief nicht. Ich habe wirklich alles versucht. Die Kabel getauscht, die Docks getauscht, die Ports getauscht. Es war zum Verrücktwerden. Am Arbeitsgerät hat alles sofort und sauber funktioniert. Warum nicht auch am anderen Laptop? Ich konnte mittlerweile einen Fehler in den neuen Anschaffungen ausschließen. Das beunruhigte mich jedoch eher mehr. Plötzlich erinnerte ich mich an die Einrichtung des Gerätes. Bedingt durch die komplett freie Konfiguration der Anschlüsse gibt es einige Einschränkungen:

„Expansion Card Functionality on Framework Laptop 13 (AMD Ryzen™ 7040 Series)“
Jeder Anschluss ist mit einer Besonderheit versehen. Nicht jeder Anschluss verfügt über die Ladefähigkeit. Also probierte ich herum. Nichts funktionierte. Dann ein Neustart – und siehe da, Strom!
Ich vermute, der entscheidene Satz in der Dokumentation ist folgender:
Ports 1,2,3, and 4 are shared on a first come first serve basis. So they are 1.5A by default, but one port from any of these can negotiate 3A over PD. Once that is taken, the other ports are limited to 1.5A.
Das soll vermutlich heißen: Es wird der Port zur Stromversorgung genutzt, an dem der Stecker bei Systemstart angeschlossen ist, bzw. der erste, der generell genutzt wird. Das muss man erst einmal wissen. Zwar bin ich immernoch ziemlich sicher, dass ich anfangs immer den gleichen Port verwendete und es da schon nicht ging, Fakt ist aber auch, dass ich seit dem zumindest keine Probleme mehr hatte. Toitoitoi.
Zweitens, die Audiobuchsen des KVM scheinen ganz großer Mist zu sein. Nach einigen Minuten in einem Meeting bemerkte ich plötzlich einen Ausfall einer Lautsprecherseite. Ein Wackelkontakt. Dennoch, eigentlich habe ich keine Lust, das Gerät wieder einzuschicken. Auch weil ich eher einen systematischen Fehler vermute, da sowohl die rückwärtige, als auch die Buchse an der Vorderseite das gleiche Problem zu haben scheinen. Ein Fehler in meinen Audiokabeln ist auszuschließen, da sie überall anders sauber funktionieren. Meine Lösung? Ich bestellte einen kleinen Extra-Switch nur für das Audiosignal. Damit muss ich nun zwar wieder zwei Schalter betätigen, aber ich kann mich damit arrangieren. Denn letztlich ist gar nicht so schlecht, das Audio getrennt zu schalten. So kann ich beispielsweise während der Arbeit noch die Musik vom privaten Rechner hören.
PS: Wenn jetzt Ordnungsfanatiker kurz vor einem Herzstillstand stehen ob der Kabelage auf dem Schreibtisch, die kann ich beruhigen. Der gute IKEA-Schreibtisch hat eine Tasche an der Unterseite der Platte montiert, da kann man zumindest die Docks gut drin verstauen. Nur sollte man eben niemals, unter gar keinen Umständen jemals unter diesen Tisch schauen!

PPS: Und wenn sich jemand fragt, was eigentlich mit Tastatur und Maus ist, die ich nirgends mehr erwähnt habe: Die tolle MX Keys S (ich will nie wieder eine andere Tastatur haben!) sowie die passende ergonomische M720-Maus sind per Blutooth gekoppelt. Beide Geräte erlauben das Koppeln an bis zu drei Rechnern und ein Umschalten per Knopfdruck. Theoretisch könnten diese aber natürlich auch per USB an die KVM angesteckt werden.
