Da ich meiner Meinung nach meine Schuldigkeit in Sachen Organisation weitestgehend getilgt sah, zog ich mich aus den Planungen zur Endrunde explizit und weitestgehend heraus – zumindest vorerst. Ich habe keine Zeit, keine Nerven und keine Geduld, mich mit fremden Menschen über Veranstaltungsorte, Erlaubnisse und Entgelte zu streiten. Das ist nicht mein Milieu. Einzig die Rahmengeschichte, beziehungsweise deren Ende, das dritte Buch, wollte ich mir nicht nehmen lassen. Außerdem hatte ich – damals noch stellvertretend für meine Schwester, die letztlich aus nachvollziehbaren Gründen absagte – eine Station zugesagt: Ich wollte unbedingt eine T5-Kletterstation in die Meisterschaft integrieren. Denn meine Meinung ist: Wer sich Geocaching-Meister nennen will, sollte auch zeigen, dass für ihn nicht nur 5er-Wertungen für Kopf machbar sind, sondern auch im Gelände. Und das, so wie es sein sollte, möglichst sicher und naturverträglich. Doch dazu sollte es leider nicht kommen. Zusätzlich übernahm ich in Kooperation mit rambii letztlich auch das Design der Coin, nicht jedoch deren Bestellung und Logistik.

Die Wochen vergingen. Nahezu jeden Montag fand unser Meeting statt und nahezu jeden Montag hatte tarozwo dem Team neue Informationen zu berichten. Der Stand der Coin-Bestellungen, die letzten Absprachen mit dem Fort Hahneberg, das Catering, die Locations für Vor- und Abschlussveranstaltungen, die Helferlisten, die Stationsbauern und vieles mehr. Ich gebe zu, eine faire Teilung der Aufgaben fand im Team nur bedingt statt, das hätte sicherlich besser koordiniert werden können und müssen. Doch das sind Interna, die ich hier nicht weiter auswalzen will. Fakt ist, wir können dankbar sein, dass wir tarozwo an der Spitze der Orga hatten und mit ihr jemanden, die das ganze Prozedere schon einmal durchgemacht hatte und die somit wusste, worauf zu achten war. Dazu zählten die Toilettenversorgung ebenso, wie die Klärung der Rettungswege und Zufahrten als auch das Auskundschaften möglicher Caravan- und PKW-Stellplätze im näheren Umkreis, auch wenn wir letzteres eher unterpriorisiert betrieben, da wir dies mit Blick auf „Messlatte niedrig halten“ als Aufgabe der Spieler selbst betrachteten. Auch ging es – eine Weile schon – um finanzielle Themen bis hin zu der zu verlangenden Spielergebühr, insbesondere weil einige von uns gern einen Teil dieser als Spende an das Fort weiterleiten wollten.
Ich hielt jedoch meine Beinchen sehr lange still. Ich musste darauf warten, dass die Stationsbauer ihre Ergebnisse präsentierten. Und dies war für mich manchmal nur schwer erträglich. Denn tatsächlich ließen sich manche der Stationsbauer schrecklich viel Zeit. Noch vier Wochen vor der Angst konnte ich bei mehr als der Hälfte der geplanten Stationen nicht sagen, wovon sie handelten oder wie sie funktionieren würden. Ohne diese Informationen war es mir allerdings nicht möglich, die Geschichte fortzuschreiben. Natürlich hatte ich eine sehr grobe Idee, wo es inhaltlich hingehen musste, doch die konkreten Anpassungen und Integrationen in die Stationen konnten erst geschehen, nachdem die Stationen fertig gestellt und gesichtet wurden. Doch ein anderes Problem stellte sich in dem Zusammenhang ein, an dem ich mir schon monatelang vorher die Zähne ausbiss. Im Gegensatz zur Quali konnte hier keine klassisch lineare Geschichte erzählt werden. Denn die Teams gingen nicht alle die Stationen in der gleichen Reihenfolge ab, sondern begannen ihren Kurs ortsversetzt. Während das erste Team an der ersten Station begann, konnte das zweite Team ja schon die zweite Station spielen – und würde dem Rundkurs folgend mit Station eins enden. Es brauchte somit eine Geschichte, die in jeder beliebigen Reihenfolge ihrer Kapitel funktionierte, aber dazu fehlt mir leider das schriftstellerische und dramaturgische Genie. Ich entschied mich also vier bis drei Wochen vor Startschuss zu einer Anthologie, einer Anekdotensammlung rund um das Fort, die Franzi, die Fledermaus erzählen würde. So war jedes Kapitel in sich abgeschlossen und konnte als thematische Einstimmung für die kommende Aufgabe verstanden werden. Doch auf diese Weise konnte natürlich die Geschichte um die verlorene Kiste unmöglich weiter voran getrieben werden. Um hier zum Ziel zu kommen, wandte ich einen Kniff an: An jeder Spielstation sollte es eine Bonusinformation geben. Wenn alle Teams alle Stationen durchlaufen hatten, hatte jedes Team demnach alle Bonusinformationen in ihren Händen. Nun war es möglich, am Ende des Spieltags ein gleichzeitiges Signal zu geben, mit dem sich die Bonusinformationen sinnvoll zusammenfügten. So konnte die Geschichte für alle Spieler weitestgehend gleichzeitig zu ihrem Ende gebracht werden, unabhängig von dem konkreten Start- oder Endzeitpunkt oder -ort der unterschiedlichen Teams.
Wir hatten alles geplant. Ich weiß nicht, wie oft wir das Fort Hahneberg am Ende besucht hatten. Die Freiwilligen dort waren uns stets eine unglaubliche Hilfe. Die Bäume vor Ort hatten noch keine Blätter und die letzten Ausläufer des langen und ungewöhnlich strengen Winters sorgten hier und da noch für Rauhreif an den Festungsmauern, als wir jede Station zentimetergenau verortet hatten. Der Ablaufplan konnte geschmiedet werden. Ab etwa vier Wochen vor dem Startschuss ließen sich nach und nach die ersten Beta-Tests der Stationen machen, der letzte Betattest lief allerdings auch erst eine Woche vorher. So konnten wir ein Gefühl für die notwendigen Spielzeiten bekommen. Zusammen mit den gemessenen Laufzeiten im Fort bastelten wir an einem sehr detaillierten Spielplan. rambii hatte dafür extra ein sehr großartiges Tool programmiert, mit dem sich die Team- und Stationenspläne automatisch und optimiert zusammenstellen ließen. Wir hatten endlich ein fertiges Bild vor Augen.
Und plötzlich geschah das Heftigste, das einer solchen Organisation widerfahren kann. Das Fort Hahneberg konnte die Veranstaltung nicht beim Berliner Senat für Umwelt anmelden. Es scheiterte an irgendeiner Bürokratie in Zusammenarbeit mit der Unteren und/oder Oberen Naturschutzbehörde – dazu kann und will ich mich hier nicht weiter auslassen, vor allem weil ich bei entsprechenden bürokratischen Diskussionen immer nur die Hälfte verstand. Was ich allerdings verstand, war, dass wir unsere Location verloren hatten. Vier Wochen vor der Veranstaltung. Unsere Location, auf die die gesamte Geschichte der Qualifikation hingearbeitet hatte. Unsere Location, die so fantastisch war, so passend für ein Geocaching-Event, dass es kaum möglich war, sich eine bessere auch nur vorzustellen. Wir standen vor einem Scherbenhaufen.
Es ist dem unerbittlichen Streben unserer Orgaleitung und einzelnen Mitgliedern des Vereins Fort Hahneberg zu verdanken, dass wir den Schaden nach wenigen Wochen des Ringens zumindest minimieren konnten – zur Erinnerung: so viele Wochen hatten wir eigentlich gar nicht mehr, um zu reagieren. Ja, wir konnten nicht mehr alle Teilnehmer und Begleitungen gleichzeitig auf das Gelände lassen. Ja, es war deswegen nicht mehr möglich, alle Stationen dort zu betreiben und ja, es war definitiv ausgeschlossen, dort auch nur ein einziges Event abzuhalten. Doch der Kompromiss, zumindest einen kleinen Teil der Stationen dort aufzubauen, war glücklich. So konnten am Ende alle Teilnehmer zumindest einmal das bisher nur theoretisch bekannte Fort betreten. Doch, was sollten wir mit den restlichen Stationen tun? Wo sollten wir jetzt eine, nein zwei passende Eventorte herholen? Mussten wir komplett umziehen? Sollten wir den Teams jetzt sagen, dass sie sich andere Hotels buchen mussten – gegebenenfalls unter erheblichem, finanziellem Verlust? Viele von unserer Orga stiegen jetzt noch einmal voll ein, wir mobilisierten so viele Kräfte, wie es ging und telefonierten uns die Ohren wund, wir machten Tageswanderungen um die Umgebung, klingelten an jeder erdenklichen Anlage dort, nur um eine Absage nach der nächsten zu bekommen. Die Stationen konnten nicht in das direkte Umfeld des Forts gebaut werden, da dort alles Naturschutzgebiet oder ähnlich klassifiziertes Gelände war. Angeschlossene Veranstaltungsgelände hatten diesen einen Tag meist bereits in eigener Sache verplant oder konnten so kurzfristig nicht weit über einhundert Leute aufnehmen oder bewirten. Es war zum Verzweifeln.
Und es ist am Ende nur allein tarozwo und ihrer Hartnäckigkeit zu verdanken, dass wir einen Ersatzplan für die Spielroute hatten und letztlich mit einer Kneipe und dem Jugendzentrum zwei Veranstaltungsort vorweisen konnten, wo man sich am Abend vorher beziehungsweise nachher treffen konnte. Ich empfand jedoch schon bei der ersten Begehung die Route nicht als optimal, weil sie mitten durch ein Wohngebiet lief und auch, weil sie in mir unangenehmer Größenordnung von Müll und Abfällen flankiert wurde. Keine gute Werbung für die Stadt – oder vielleicht auch einfach das Zeigen der traurigen Wirklichkeit. Doch wir hatten nichts anderes und wir mussten Nägel mit Köpfen machen. Es gab keine Alternative und keine Zeit, eine solche auszuspähen. Worauf wir zusaätzlich zu achten hatten, war die Invasion der Eichenprozessionsspinner, die primär im Westteil Berlins Einzug gehalten hatte. Tatsächlich war – und das ganz ohne literarische oder sonstige Übertreibung – jede einzelne Eiche war befallen. Da es aber eine ganze Menge davon entlang der von uns festgelegten Laufwege gab, schmolzen nun auch noch die Möglichkeiten für gute, schattige Positionierungen der Stationen dahin – was uns später noch vor größere Probleme stellen sollte.
Währenddessen liefen bei den Stationsbauern immer weitere Betatests, die hier und da noch Verbesserungspotenzial offenbarten. Meine annekdotenhaften Kurzgeschichten nahmen ebenfalls langsam Gestalt an. Mit Hilfe von rambiis Tool wurden die Pläne nun langsam konkreter und realistischer – und zeigten schnell, dass wir sehr eng geplant hatten. Zwar hatten die Teams hier und da Pausen, doch die Stationen waren zeitlich sehr eng getaktet. Zweifel über mögliche Verzögerungen und Folgereaktionen kamen auf – und damit wieder Diskussionen, für die eigentlich niemand mehr ausreichend Nerven hatte.
Und dann kam da noch das Wetter hinzu. Hatten wir bisher vor allem überlegt, wie eine sogenannte „Schlechtwettervariante“ aussehen könnte, woher wir wohl spontan genügend Pavillions und Regenschirme gegen etwaiges Wasser von oben herbekämen, und ob wir diese wohl mitten im Wohngebiet oder an den Rand des Naturschutzgebiets aufstellen konnten, wurde uns nun langsam klar, dass wir es tatsächlich mit wirklich schlechtem Wetter zu tun bekommen sollten: In Form von unermesslicher Hitze. Wir warteten trotzdem erst einmal ab. Wir wollten nicht umsonst eskalieren. Vielleicht würde es ja nicht so schlimm. Es war nur noch eine Woche bis zur Veranstaltung.
Die letzte Montagssitzung war vorbei, die letzten Informationen wurden getauscht, die letzten Anweisungen gegeben. Es wurde sich zu Einkäufen verabredet, es wurde sich dazu verständigt, dass man deutlich mehr Wasser kaufen würde, als ursprünglich geplant – und damit auch mehr als in den Teilnehmergebühren einkalkuliert war. Wir zitterten uns von Tag zu Tag. Doch am Donnerstag, einen einzigen Tag vor der Eröffnungsveranstaltung, wurde uns die Sache wortwörtlich zu heiß. In einer beispiellosen Nachmittags-, Abend- und Nachtaktion klöppelten rambii und ich dank seines Tools einen komplett neuen Zeitplan. Diesem fielen zuerst drei Stationen zum Opfer. Das inkludierte die Kletterstation, um die ich es als Verantwortlicher naturgemäß schade fand, aber die aufgrund ihrer sportlichen Herausforderung und auch, weil sie im Vergleich zu anderen, technisch raffinierteren, monatelang geschraubten, gefeilten, geleimten, 3D-gedruckten, und wasweißichnochalles getanen Aufwänden vergleichsweise wenig Vorbereitung in Anspruch genommen hatte. Auch entnahmen wir zwei Stationen, die sich zu sehr in der prallen Sonne befanden, weil die Eichenprozessionsspinner die guten Schattenplätze bereits besetzt hatten. Dies alles geschah mit Blick auf die Spieler, aber auch auf unsere zahlreiche Helfer, die es bislang mit einem unfassbar eng gestrickten und damit stressigen Zeitplan zu tun bekommen hätten. Nun wurden auch Zeitslots frei, sowie die Helfer, die an den wegfallenden Stationen im Einsatz gewesen wären. Diese Helfer würden dringend benötigt werden, um andere zu entlasten, es gab mehr Pausen für alle Beteiligten und weniger Aufenthaltsplätze in der prallen Sonne für Spieler und Stationen. Tief in der Nacht waren wir uns einig: Damit konnte man an den Start gehen.
Das war nur zu schaffen gewesen, weil rambii hier im Vorfeld mit seinem Tool eine Möglichkeit geschaffen hatte, die uns viel planerische Mühen abnahm. Natürlich war damit nicht alles perfekt. Die Bonusinformationen, die auf dreizehn und nicht auf zehn Stationen ausgelegt waren, mussten angepasst werden und die bereits gedruckten Laufzettel und Stationslistings für die Teams mussten korrigiert werden – was tatsächlich dann erst während des Willkommensevents in der Kneipe passierte. Zusätzlich schleppten tarozwo und Geo-Link unfassbar viele Getränke aus verschiedenen Supermärkten ins Fort und das Jugendzentrum, die als Versorgungsstationen herhalten würden. Noch in der Nacht begann ich, einen Ersthelfer-Plan zu entwerfen, am Freitagvormittag deckte ich mich mit Elektrolyten ein für mögliche Hitzenotfälle und organisierte eine Rettungskette, so sie denn notwendig werden würde. Wir waren am Samstag mit sechs Ersthelfern im gesamten Rundkurs vertreten. Es blieb hektisch bis zur letzten Minute. Und ganz bestimmt habe ich die Hälfte des tatsächlichen Aufwands nicht aktiv mitbekommen und/oder vergessen. Doch zur Ruhe kam in den letzten Tagen definitiv niemand, der ersthaft helfen wollte.
Dann endlich eröffnete ich das Geschehen. Bekloppt wie ich bin, dachte ich mir einige Wochen zuvor: „Och, das ganze in einem Fledermauskostüm zu tun, klingt doch ganz nett!“ und bestellte das flauschigste, dickste Strampleroutfit, das sich finden ließ. Am Tag der Veranstaltung machte ich mir ein wenig Sorgen, schon gleich zu Beginn vor allen mit Hitzschlag umzufallen, doch ich konnte meine Rede ganz gut halten. Diese sollte das Geschehen von der Quali mit den Geschichten des kommenden Tages verknüpfen. Geo-Link war sich dabei nicht zu fein, mich dafür die ganze Zeit bei knapp vierzig Grad auf seine Schultern zu hieven. Respekt dafür! Ich glaube, viele hatten Spaß und das trotz einer zugegeben leider restlos überforderten Kneipe. Es konnte losgehen!

Es fällt mir wirklich schwer, über den eigentlichen Tag der Meisterschaft zu berichten. Zu bruchstückhaft sind meine Eindrücke, dem geschuldet, dass wir ständig auf Achse waren. Meiner eigentliche Aufgabe der Betreuung der Kletterstation war ich ja kurzfristig verlustig gegangen. Auch Geo-Link, der mich unterstützen sollte und wollte, hatte dieses Schicksal getroffen. Im Nachhinein weiß ich, das war ganz gut so. Nur deshalb konnten wir uns sehr aktiv der Getränkeversorgung oder anderen Botengängen oder -fahrten verschreiben. Ich hatte stets mein zurechtgeschustertes Rettungskit dabei, inklusive meiner Feldflasche voll mit Zaubertrank, ich meine natürlich voll mit potenter Elektrolyt-Mischung. Stets einsatzbereit für Notfälle, die zu meiner ehrlichen Überraschung nicht eintraten. Immer wieder drehte ich meine Runden, immer wieder war ich glücklich, die Kühle des Forts zum Ausruhen nutzen zu können, wenn ich dort kurz vorbei kam. Die Teams, mit denen ich mich zwischendurch unterhielt, waren großteils freundlich und fröhlich gestimmt. Und ehrlich, was konnten wir mehr erwarten? Die Zeit verlief im Grunde wie im Fluge. Wenn man die Augen aufmachte, konnte man meistens Arbeit finden oder jemanden, dem man unter die Arme greifen konnte oder durfte. An Aufgaben mangelte es definitiv nicht.
Und schon war es Abend. Immer wieder hatte ich auf meinen Touren nachgehakt, doch letztlich war mir kein Team bekannt, dass schon irgendeinen Ansatz für die Bonusinformationen hatte. Deswegen entschlossen wir uns zu einem außerplanmäßigen Hinweis noch vor dem eigentlich geplanten, der kommen sollte, wenn wirklich alle Teams sicher durch alle Stationen durchgekommen und somit im Besitz aller notwendigen Informationen sein würden. Es war gar nicht so einfach, festzustellen, wann die letzten Spieler oben im Fort ihre Aufgaben beendet hatten, somit musste ich meine Aufmerksamkeit eine Weile lang teilen zwischen den ersten Auswertungen mit rambii und dem Einholen der Informationen von den fernsten Stationsbetreuern. Dann aber schickten wir den letzten Hinweis hinaus, der die Bonusinformationen in die richtige Reihenfolge bringen konnte. Wie eingangs erwähnt, war genau das der Plan, damit alle Teams gleichzeitig, unabhängig ihrer leicht versetzten Start- und Endzeiten das Bonusrätsel lösen konnten. Doch es kam keine Lösung bei uns an. Wir hatten vor, den Teams Zeit zu geben, bis wir fertig mit der Auszählung waren. Und die ging gerade mehr oder weniger fließend voran. Zugegeben nicht besonders schnell, da wir – um Fehler zu vermeiden – viele Werte noch einmal gegenrechneten und plausibelisierten, doch sehr stetig. Noch immer keine Bonusrückmeldung. Wir schickten also einen weiteren, ungeplanten, Hinweis an die Teams hinterher – und der ließ dann augenscheinlich den Knoten platzen. Wir verzeichneten einen plötzlichen Strom an Bonuslogs und konnten nun auf den letzten Drücker die Wertungen dafür unseren bisherigen Zahlen hinzufügen.
An anderer Stelle gaben sich die Helfer eine irrsinnige Mühe, Getränke und Bratwürste bereit zu stellen und zu liefern – und das obwohl es noch immer nicht merklich kühler geworden ist. Doch die Rahmengeschichte war noch nicht zu Ende erzählt. Noch immer fehlte die verschollene Kiste aus der Qualifikation. Ich fand, es war Zeit, die Sache zu beschleunigen. Leider hatte der letztjährige Ausrichter aus Cottbus, palk, in diesem Moment zu auffällig in meine Richtung geschaut und so traf es ihn, in ein kurzes Schauspiel eingebunden zu werden. Ich erklärte ihm in groben Zügen, dass der Bonus auf die Kiste weisen sollte und wo diese zu finden war – nämlich nur wenige Meter neben der versammelten Meute. palk machte seine Sache super, sorgte bravourös für Aufruhr, als er die Kiste „entdeckte“ und somit war es nun wieder an Protagonistin Franzi, also mir in meinem Strampler, die letzte Rede zu halten, rührselig die Kiste in Empfang zu nehmen und daraus den bisher noch nicht präsentierten Geocaching-Wanderpokal zu entnehmen. Ende im Gelände. Zumindest für mich.
Die Siegerehrung lief anfangs noch wie gewohnt vonstatten. Nur bei den letzten Nennungen, also den vordersten Plätzen, mussten wir uns plötzlich beeilen. Es passte alles in allem sehr gut zu dieser von Umplanungen traktierten Planung und den mannshohen Gesteinsbrocken, die uns zwischen die Beine gepfeffert wurden, dass nun auch diese letzte Stunde mehr oder weniger in Chaos versank und in unkontrollierter Flucht endete. Denn völlig aus dem Nichts tauchte über den Bäumen ein bislang – zumindest nach meinen Wetterberichten – unerwartetes aber umso heftigeres Gewitter auf, sodass sich die noch anwesenden Teams lieber in Sicherheit zu bringen gedachten, als den Abend bei einem netten Schwätzchen sanft ausklingen zu lassen. Sehr schade leider.
Natürlich ist damit der Aufgaben noch nicht genug. Es galt, am nächsten Morgen alle Locations zu bereinigen und wieder ihren wirklichen Besitzern zurückzugeben, die zu viel gekauften Lebensmittel und Getränke loszuwerden, die Dixie-Klos abholen zu lassen und die Bierzeltgarnituren zurück ins Fort zu schaffen. Und das quasi vor dem Aufstehen. Doch all dies war nicht mehr mein Job. Denn, auch wenn ich mich dabei wirklich nicht gut fühlte, musste ich jenen Epilog aus gesundheitlichen Gründen an andere fleißige Hände übergeben. Kaum zu Hause angekommen schlief ich Samstagabend tief und fest ein. Von zwei Stunden für Frühstück und Toilette abgesehen, schlief ich von halb zwölf Uhr nachts bis neunzehn Uhr am Sonntag durch, ging dann um Mitternacht wieder ins Bett, schlief nochmal bis zwölf Uhr am Montag, um dann ein letztes Mal von zwei bis vier Uhr nachmittags in Schlummer zu versinken, bis ich mich nicht mehr wackelig auf den Beinen fühlte und die Augen nicht augenblicklich wieder zufielen.
Ich haderte anfangs sehr mit einigen eher negativ konnotierten Feedbacks von einzelnen Cachern, Podcasts oder Blogs. Die Bedienung war zu langsam, die Fledermaus zu kitschig oder protzig, die Helfer waren unfreundlich, der Bonus zu schwer und so einiges mehr. Doch ich habe für mich entschieden, diese zu ignorieren. Ich habe sie gesehen, all die freundlichen und fröhlichen Gesichter beim Auftritt von Franzi, all die gutgelaunten Menschen im Laufe des Tages und ich glaube, dass wir das Beste geliefert haben, was wir konnten. Wir hatten ein tolles Team und jeder von uns hat sein Bestes gegeben. Und da wir so viele grinsende Gesichter zaubern konnten, glaube ich, dass wir eine wirklich gute Arbeit geleistet haben im letzten Jahr. Haters gonna hate – die wenigen negativen Kritiken sind immer die lautesten, aber die schweigende Mehrheit war glücklich, davon bin ich überzeugt.
Im Nachgang wird jetzt ein neuer Zyklus mit neuen Abenteuern beginnen. Gratulation an das Siegerteam Hasengriller OWL aus der Region Bielefeld! Es wird uns sicherlich bald bezüglich der Übergaben der Webseiten, Domains und E-Mail-Adressen kontaktieren und allerlei anderem bürokratischen und organisatorischen Kleinkram. Und danach machen wir endlich Schluss.
Ich hoffe nun, dass wir nie wieder die Ausrichtung, nun ja… „gewinnen“ werden. Denn was mich angeht: Jedes Team hat zurecht eine Heidenangst vor dieser Arbeit, egal wie tief man die Messlatte auch setzen wollen mag. Es ist in der Tat so, dass vieles, viel zu vieles, zurückstecken muss. Das musste ich nun lernen und einsehen. Ich selbst jedenfalls habe wieder oder immernoch Angst vor einer Ausrichtung.
PS: Falls ihr bis hierhin noch nicht genug Text hattet, könnt ihr gern alle Abenteuer unserer liebgewonnenen Fledermäuse Frieda und Franzi nachlesen. Gern dürft ihr Die Geheimnisse der Backsteinmauern herunterladen und nach Herzenslust weitergeben .
Die Bilder darin wurden mit AI generiert.

