Ruminarium

Zurschausstellung meiner Grübeleien


Triple-Feature: Hoppers, Good Luck…, Der Astronaut

Ich habe die letzten Tage mal wieder etwas Zeit im Kino verbracht und berichte mal wieder davon – entweder um es euch ersparen zu können oder euch hineinzunötigen. Denn es war durchaus sehr überraschend!


© by Disney

Es passiert nicht mehr oft, dass ich neue Ideen aus dem Hause Disney/Pixar so interessant finde, dass ich einen Kinobesuch in Betracht ziehe. Zuletzt war es bekanntermaßen Zoomania 2, dessen Grundidee jedoch eher nicht mehr als „neu“ bezeichnet werden kann. Doch hier fand ich den Trailer gleichzeitig witzig und eben die Idee interessant genug, um mich neugierig zu machen. Neugierig genug zumindest, für den Fall, dass sich ein Kinobesuch mal ergeben sollte.

Nun, ja, Hoppers hat in der Tat ein paar nette Einfälle, doch leider wurde auch meine Befürchtung bewahrheitet, dass die besten Witze schon im Trailer zu sehen waren. Gerade in der zweiten Hälfte kippt der Film dann etwas zu sehr in Richtung Ökodystopie, sodass er durchaus traumatisierend wirken könnte für kleine Kinder, in deren Alter ich – und so ziemlich alle gleichaltrigen Leidensgenossen übrigens auch – durch die Serie Als die Tiere den Wald verließen mit ähnlicher Thematik traumatisiert wurde. Es gab im Saal durchaus ein paar Tränchen. Der Film schafft es gleichzeitig, trotz der niedlichen, sprechenden Tiere so absurd real zu wirken in Anbetracht dessen, was die Menschheit gerade tatsächlich mal wieder mit der Umwelt tut, und andererseits im absolut vorhersehbaren Lösungsteil so absurd irreal, ja geradezu albern, zu erscheinen, nicht etwa wegen der sprechenden Tiere, sondern vielmehr weil aktuell nichts ferner zu liegen scheint, als ein Streben für ein Gleichgewicht von Mensch und Umwelt.

Fazit: Wenn ihr einen Wohlfühl-Disneyfilm schauen wollt, guckt den Trailer, freut euch darüber, lasst den Rest einfach weg und legt dann Zoomania ein.


© by Constantin Film

Good Luck, Have Fun, Don’t Die. Im Grunde fasst das den Film schon sehr gut zusammen. Und doch habe ich das Gefühl, dass auch tausend Wörter nicht ausreichen könnten, das auszudrücken, was ich eigentlich dazu sagen möchte – und doch nicht fähig bin, dies zu tun.

Es passiert wahrlich nicht oft, dass ich nach einem Kinobesuch nicht direkt nach Hause gehen kann, sondern mich stattdessen noch stundenlang durch die Stadt treiben lasse. Zuletzt war das nach Black Swan der Fall und davor nach dem berüchtigten Donnie Darko, der mich damals so ungemein gefesselt hatte, dass ich allein in der Woche danach den Film ungefährt ein Dutzend Mal in allen möglichen Versionen gesehen hatte, teilweise inklusive Audiokommentaren. Dem Film, bei dem ich bis heute das Gefühl habe, nicht vollständig sagen zu können, worum es eigentlich geht, nur dass es sich dabei um einen extrem großartiges Stück Kunst handelt.

Exakt so geht es mir seit gestern mit Good Luck… Ich bin ehrlich: Ich habe absolut keine Ahnung, was ich da wirklich gesehen habe, es ist mir einfach nicht begreiflich. Ich kann lediglich sagen: Wow! Im Grunde muss ich hier ein weiteres Mal auf den Wortvogel verweisen, der es zumindest im Ansatz geschafft hat, das in Worte zu fassen, was ich nicht im Stande bin zu formulieren, jedoch fühle. Und ohne den dieses Kunstwerk ganz klar an mir vorbeigegangen wäre.

Ich kann trotz der vorangegangen, sehr nebulösen Worte nur eine absolute Empfehlung aussprechen und gleichzeitig ermahnen, dabei ein maximal offenes Mindset mitzubringen. Denn egal, für wie gewappnet, für wie abgehärtet ihr euch haltet – es wird definitiv noch abgefahrener!


© by Amazon/MGM

Der Astronaut war der dritte Teil meiner osterlichen Kinoodyssee. Und diese hätte nicht schöner enden können. Dabei meine ich „schön“ wirklich ernst, denn es handelt sich um einen dieser wirklich seltenen Feel-Good-Movies, die einem das Herz erwärmen und die einen immer wieder zum Lächeln bis hin zum wirklich ehrlichen Lachen bringen. Einfach so.

Es handelt sich dabei um die zweite Verfilmung eines Romans von Andy Weir. Schon der großartige Der Marsianer lief in eine ähnliche Richtung: Konstruktive Problemlösungen im Weltall mit begrenzten Ressourcen. Bei beiden Filmen handelt es sich um Science Fiction im klassischsten aller Sinne: Nach Jules-Verne-Art – nur eben grob einhundertfünfzig Jahre später. Es geht um wissenschaftliches, fortschrittliches Denken – real und nachvollziehbar genug, um nicht gänzlich fiktiv – und zumindest für mich als Laien – durchaus plausibel zu wirken. Und doch kommt gerade bei Der Astronaut die Fiction nicht zu kurz. Und diese ist eine Ode an offene Kommunikation, zielführende Zusammenarbeit über alle erdenklichen Grenzen hinweg – und Hoffnung, Hilfsbereitschaft und simple Freundlichkeit. Es scheint geradezu traurig, dass in unseren Zeiten das Fiktivste des Films nicht etwa das Weltraumabenteuer selbst zu sein scheint, sondern genau dieser Punkt: Gemeinsames Schaffen, egal wie verschieden man auch erscheinen mag.

Dieser Film ist für alle, die genug haben von den alltäglichen, grauenhaften Nachrichten, die entfliehen wollen in eine gänzlich andere, eine glücklichere Welt – so einsam sie auch erscheinen mag. Und wie für alle Filme, die im unendlichen Weltall spielen, empfiehlt sich natürlich auch bei Der Astronaut die größtmögliche Leinwand für diese Realitätsflucht.

PS: Einen Bonuspunkt vergebe ich für die großartige Hommage an den ersten (zumindest mir bekannten) Film dieser Art, die im Saal den Reaktionen nach leider nur wenige verstanden zu haben scheinen.