Gerade erst hatte ich von so etwas geschrieben. Explizit auf dieses eine Ende versuche ich mich seit einigen Jahren mehr und mehr vorzubereiten, versuchte und versuche bis zum Unvermeidlichen alles mitzunehmen und bis in die hinterletzten Poren zu genießen, so lange es noch geht. Tatsächlich hatte ich jedoch explizit dieses eine Ende beim Schreiben interessanter Weise gar nicht gemeint, doch passt jener Text genau auch da drauf. Man bereitet sich darauf vor, und doch… kommt es einmal, fühlt es sich so unverhofft, so schwer an – egal wie sehr man sich auch vorbereitet.
Dass das Ende kommen würde, war uns allen klar. Schon seit einigen Jahren kokettieren sie damit. In Interviews, in Live-Shows und zuletzt auch beim Titel ihrer nächsten Deutschland-Tour.
„Trink aus! Wir müssen gehen“
Man muss es ihnen wirklich lassen, die Tourankündigungen ihrer Konzerte für 2026 und 2027 (!) sind großartig gemacht, auch dank Charly Hübner. So einfach. So emotional.
© by Die Toten Hosen
© by Die Toten Hosen
Ich hatte schon einen Kloß im Hals und eine Träne im Auge als ich vor fast einem Jahr das erste der beiden Videos gesehen hatte. Es war klar, was hier ablief. Es war klar, was hier zu sagen versucht wurde. Umso erfreulicher war, dass das zweite Video folgte und uns damit noch ein weiteres Jahr der Freude, Euphorie gewährt werden wird. Ein Jahr Gnadenfrist.
Doch kurz darauf folgte die nächste Bekanntmachung:
Liebe Freundinnen und Freunde,
die folgende Ankündigung zu machen, fällt uns nicht leicht:
Wir wollen uns im nächsten Jahr mit drei letzten Konzerten von Argentinien und Südamerika verabschieden.
Wir sind nun schon eine ganze Weile unterwegs, und viele Ereignisse der letzten Jahre haben uns daran erinnert, dass nichts für immer bleibt. Wir glauben, dass es gut ist, uns langsam, aber sicher, Stück für Stück zurückzuziehen. Wir wollen jetzt „Adiós“ sagen, wo wir in Bestform sind, und hoffen, einen Abschied feiern zu können, der unserer unglaublichen Liebesgeschichte mit diesem Land und seinen Menschen würdig ist.
~ Die Toten Hosen – „Fútbol, Asado, Vino y Adiós Amigos“, 10.11.2025
Auf der einen Seite, ja wir werden Argentinien noch einmal zusammen erleben, wir werden noch einmal alles abreißen, wir werden noch einmal mit all unseren Freunden dort zusammen feiern als gäbe es kein Morgen. Aber eben nur noch einmal…
Tja, und nun? Ein Newsletter erreichte mich heute mitten in einem Meeting. Ich schrieb meinem Kollegen dann nur: „Ich melde mich hiermit für diese Woche ab. Ich bin mit Heulen beschäftigt.“
Die Toten Hosen veröffentlichen ihr letztes Studioalbum: „Trink aus, wir müssen gehen!“
Die Einschläge kommen spürbar näher. Ich weiß nicht, ob ich mich gerade über die Ankündigung des nächsten Albums freuen soll oder traurig sein über die eigentlich genau so erwartete Ankündigung, dass es das wohl letzte sein wird. Ich gebe zu, aktuell überwiegt letzteres und die Tränendrüse ist nahe dran, ihr Werk zu tun. Wir werden es akzeptieren müssen.
Aber wir werden auf jeden Fall diesen Weg Bis zum bitteren Ende zusammen gehen. Und bislang ist das absolute Ende noch nicht terminiert. Denn ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass sie am 10.07.2027 in Düsseldorf mit nur einem einzigen Konzert tatsächlich abtreten werden. Ich kann und will mir das einfach nicht vorstellen. Wir werden sehen. Die Tickets liegen bereit.

PS: Ich finde übrigens das wohl letzte Albumcover ganz großartig, es schließt einen Kreis perfekt und zeigt doch sehr gut die Entwicklung, die die Band in all den Jahrzehnten gemacht hat. Ich überlege mir gerade, es neben das allererste Albumcover der Opel-Gang irgendwo an die Wand zu hängen.


