Ruminarium

Zurschausstellung meiner Grübeleien


Festival of Lights

Meine Bucket List, also meine persönliche Liste der Dinge, die man im Leben einmal getan oder erlebt haben sollte oder möchte, wird irgendwie jetzt schon beängstigend klein.

Gestern abend schrieb mir eine Bekannte: „Es ist mal wieder soweit. Angeblich wird die kommende Nacht gigantisch.“, und schickte diesen Screenshot aus ihrer App mit:

Ich murmelte etwas von „müde“ und „arschkalt“ und „Müsste ein Auto mieten“. Doch kurze Zeit später kam ein fantastisches Foto hinterher, zusammen mit dem Spruch: „Raus mit dir!“

Schon vor mehr als einem Jahr waren große Sonnenstürme und damit zu vermutende Polarlichter im Berliner Raum angesagt. Damals trafen wir uns mit besagten Bekannten und konnten vor Ort solche Fotos machen:

Wirklich zu sehen war nichts, aber dank einer digitalen Kamera und einer gewissen Langzeitbelichtung ließ sich ein wenig Farbe in die Bilder zaubern. Offiziell meine ersten Polarlichter.

Doch gestern Abend war es anders. Ich eilte in meinem Carsharing-Auto durch die Brandenburger Walachei und musste urplötzlich aufpassen, mich nicht allzusehr mit den Alleebäumen anzufreunden, denn über mir sprangen mit einem Mal die Lichter. Bei siebzig oder achtzig Sachen jauchzte ich auf, konnte aber die Konzentration nur bedingt dem Himmel schenken. Ich wollte jetzt sofort am verabredeten Treffpunkt sein. Jetzt. Sofort.

Kaum dass ich aus dem Auto gesprungen war, Kamera und Stativ im Anschlag, kreischte eine mir bekannte Stimme nur: „Da!“, wirbelte mich herum, ohne auch nur an eine andere Art der Begrüßung zu denken und mir verschlug es augenblicklich die Sprache. Meine wirklich ersten Polarlichter! Ganz ohne Hilfsmittel, direkt vor mir. Und über mir. Und dort! Und da! Überall leuchtender Himmel. Es war unglaublich!

Natürlich lassen sich durch die Kamera die Farben sehr viel besser abbilden, als sie real waren – siehe die Bilder vom letzten Mal. Das Grün wirkt bespielsweise eher grau-weißlich. Auch das Rot ist natürlich nicht ganz so intensiv, auch wenn man durchaus von einem schönen, roten Himmel sprechen kann, den wir da gestern gesehen haben!

Fotografisch hätte ich gern mehr Möglichkeiten gehabt, doch die Smartphone-Kamera kann leider nur Normal- oder Drei-Sekunden-Langzeitbelichtung. Ich glaube, mit zwei Sekunden wären die Bilder noch schöner und weniger verwaschen geworden. Die Lichter bewegen sich teils unglaublich schnell, sodass eine kürzere Belichtungszeit den Bildern sicherlich zugute gekommen wäre, um klarere Strukturen festhalten zu können.

Dennoch, es war ein sagenhafter Anblick, der sich uns dort etwa eine halbe Stunde lang bot. Ich bin sehr froh, meinen inneren Schweinehund besiegt zu haben und doch noch hinaus aufs Land gefahren zu sein.

Ich gehen dann mal, „Polarlichter sehen“ von meiner Liste streichen.