Ruminarium

Zurschausstellung meiner Grübeleien


Rückblick

Keine Angst. Ich spare mir dieses Mal den Rückblick auf das zurückliegende Jahr. Das machen alle anderen schon zur Genüge. Nein, ich blicke zwar zurück, aber nicht auf ein Jahr.

Sondern auf ganze zwei!

Am dritten Januar des letzten Jahres erblickte dieser Blog das Licht der Welt. Damals war er an den Start gegangen, mir eine zentrale Anlaufstelle zu schaffen, um all meine Texte zu sammeln, die in den vielen Jahren zuvor entstanden. Sie waren auf dutzenden von fremdgesteuerten Seiten verstreut und sollten nun an einer einzigen, nur von mir selbst kontrollierten Stelle gebündelt werden. Das ist mir inzwischen gelungen.

Deshalb wandelte sich der Blog inhaltlich mehr hin zu dem, was ich selbst früher mit Blogs im Allgemeinen verband: Der Darstellung aktueller Gedanken und Erlebnisse des Betreibers.

Ich bin wirklich froh, diesen Schritt damals gegangen zu sein. Denn auch wenn ich hier nicht regelmäßig für neue Inhalte sorge, so fühlte ich jedes einzelne Mal, wenn ich es tat, eine große Zufriedenheit in mir selbst. Ich habe gelernt, dass das Ruminarium mir viel gibt – psychisch gesehen. Dieser Blog ist zu einer Art Therapeut für mich geworden.

In den letzten Jahren bin ich oft in endlosen Grübeleien gefangen gewesen. Gedanken, die sich schleichend entwickelten, dann endlose Kreise zogen und sich letztlich schwer lastend in meinem Kopf nieder ließen. Sie führten zu Unruhe, Stress, Schlaflosigkeit und wurden zu einer Art psychischer Belastung, die mich oft in eine tief melanchische, vielleicht sogar depressive Phase drängen konnten.

Mit der Wiederaufnahme des Bloggens folgte ich einem Rat, den Therapeuten gern geben, und den auch mir einst eine Therapeutin gab:

„Lege dir einen Schreibblock neben das Bett und wenn du ins Grübeln gerätst, dann schreibe das einfach auf.“

Das ist immer leichter gesagt als getan, denn dies bedeutet auch, dass ich meine Partnerin unweigerlich wecken würde. Dennoch kommt das Bloggen diesem Rat in gewisser Hinsicht sehr nahe. Und ich konnte in den letzten beiden Jahren beobachten, was das Schreiben mit mir macht. Ich lernte, dass ich, im Gegensatz zu früher, nicht für meine handvoll Leser schrieb. Es zeigte sich vielmehr, dass ich nur für mich schrieb. Ganz allein für mich. Es ist eine Therapie – das Schreiben therapiert mich. Wenigstens ein kleines bisschen.

Diese Erkenntnis machte mich auf eine schwer zu beschreibende Art glücklich. Ich hatte mir unwissentlich einen Ort geschaffen, an dem ich meine Gedanken und Grübeleien ablegen konnte und kann. Ob sich dann irgendjemand für diese Ablage interessieren würde oder wird, ist dabei zweitrangig. Nein, es ist sogar unwichtig. Wichtig ist nur, es ist oft – nicht immer, natürlich -, eine Möglichkeit, Gedankenkreise zu unterbechen.

Ich freue mich, dass das Ruminarium geschaffen wurde und dass es weiterhin lebt. Ich freue mich, dass ich mich diesem keineswegs verpflichtet fühle, mich von ihm nicht leiten und treiben lasse, dass ich es aber zu jeder Zeit benutzen kann, um meinen Kopf zu erleichtern.

Ich freue mich natürlich auch, wenn sich jemand von euch da draußen in meinen Gedanken wieder findet, sie vielleicht sogar teilen kann, oder ihnen widerspricht. Ich freue mich über jeden Kommentar, hier oder woanders.

Ich freue mich, diese, die vielleicht beste Entscheidung der letzten Jahre gemacht zu haben.

Insofern, auf ein Neues!