Ruminarium

Zurschausstellung meiner Grübeleien


Filmkritik: Avatar 3

© by 20th Century Studios

Meine Filmkritik zum ersten Film von vor mehr als fünfzehn (!) Jahren liest sich erstaunlich positiv, wie ich gerade überrascht feststelle. Inzwischen bin wirklich kein Freund dieser Reihe. Den ersten Film halte eigentlich nur für einen viel zu aufgeplusterten Indianerfilm mit Aliens. Absolut überraschungsfrei und vorhersagbar: Ein Naturvolk wird von einem ignoranten Gegner mit überlegenen Waffen angegriffen; einer der Gegner läuft über und am Ende – Achtung, Spoiler! – gewinnen die Guten. Fertig.

Was aber Avatar richtig macht, ist der Schauwert. Es ist ein Film, den man nicht zuhause sehen kann, sondern der für große Leinwände und perfekte Soundanlagen konzipiert wurde. Abseits der langweiligen Handlung ist Avatar Kino pur. Mehr geht nicht.

Das ist der Grund, warum wir uns vor einigen Jahren dann auch den zweiten Film anschauten – im damals relativ neuen UCI Luxe, der einen Saal besitzt, in dem auch links und rechts die Wände bespielt werden und man so im gesamten Sichtfeld in die fremden Welten eintauchen können soll. Soll… Ich bekam nur Kopfschmerzen davon und der über dreistündige Film mit seiner sehr vorhersehbaren Handlung (Ihr wisst schon: Das doch nicht siegreiche Indianer Naturvolk muss vor der Kavallerie den überlegenen Waffen fliehen, sich bei einem anderen Indianer Naturvolk einnisten und am Ende, nach einem viel zu langen Kampf – Achtung, Spoiler! – gewinnen die Guten.) war da nicht sonderlich hilfreich. Und doch: Überragende Schauwerte, gar keine Frage!

Das bringt mich nun zur Gegenwart. Ich hatte Lust auf Kino, und das Einzige, was in mir ein wenig Interesse heraufbeschwor, war Avatar 3. Über drei Stunden Laufzeit. Ich riskierte es. Die zu erwartenden Schauwerte würden mich hoffentlich davor bewahren wegen der zu erwartenden langweiligen Story einzuschlafen.

Einschub: Ich werde auf jeden Fall ab jetzt jedes Jahr zu Heiligabend-Abend ins Kino gehen. Das war absolut tiefenentspannt in diesem leeren Saal. Großartig!

Nun, was bleibt zu sagen. Die zu erwartenden Schauwerte bewahrten mich davor wegen der zu erwartenden langweiligen Story (Wissen schon: Indianeraliens müssen vor Techno-Cowboys fliehen und einem anderen Indianeralienstamm fliehen und am Ende – Achtung, Spoiler! – gewinnen die Guten.) einzuschlafen.

© by 20th Century Studios

Ich bin bei Avatar hin- und hergerissen. Ich liebe Märchen, Fantasy und Science-Fiction. All das geben einem die Filme zur Genüge – und das in einem Gewand, das schöner nicht glänzen könnte. Und doch fühlte ich mich am Ende stets für dumm verkauft. Einmal? Ja gut, ist halt ein Märchen. Aber ein zweites und drittes Mal noch einmal die gleiche Story? Insbesondere letztere beiden Teile sind de-facto identisch. Darüber kann auch die Einführung eines neuen bösen Na’vi-Stammes nicht hinwegtäuschen. Ja, ich liebe es, die vielen visuellen Ideen zu erkunden und das ist wirklich das Einzige, das mich ein wenig versöhnlich stimmt. Und doch kann ich einem Epos, der mittlerweile weit mehr als neun Stunden umfasst, nicht mein Wohlwollen aussprechen, wenn es mit einem derart banalen Plot aufwartet. Dreimal in Folge.

Deshalb bleibt nur mein – ebenfalls sehr erwartbares – Fazit: Wenn ihr Kino aufgrund seiner visuellen Schauwerte mögt, wenn es für euch kein Problem darstellt, weit über drei Stunden lang euer Hirn auszuschalten und nur stumpfsinnig die Bilder anzugucken, dann ist Avatar – egal welcher Teil – für euch genau das Richtige. Wenn ihr aber nachvollziehbarer Weise erwartet, dass in drei Stunden irgendwie eine komplexe Story passen würde, dann ist Avatar – egal welcher Teil – eine Enttäuschung und reine Geldverschwendung.