Ruminarium

Zurschausstellung meiner Grübeleien


London 2025, Tag 6

Der Abschiedstag war schon wieder ran. Wir hatten wirklich viel erlebt, Geplantes und immer wieder auch Ungeplantes. London ist ein Pflaster unendlicher Möglichkeiten. Es gibt noch so unfassbar viel zu sehen, so unfassbar viel zu verköstigen, so unfassbar viel Kultur zu genießen. Eine Woche, so vollgepackt sie auch immer sein mag, ist nur ein Tropfen auf den sprichwörtlichen heißen Stein. Es stand bereits jetzt schon fest, dass wir auf jeden Fall wiederkommen werden, mehr als einmal. Wir haben auch schon neue Ziele fest im Visier.

Doch noch war es nicht vorbei. Unser Rückflug sollte erst am Abend gehen, und das bedeutete, dass noch genügend Zeit blieb, für ein weiteres, sehr leckeres Frühstück in einem der zahlreichen umliegenden Cafés. Danach hatte ich noch einen Geocache im Auge, angeblich der am besten bewertete im weiteren Umkreis.

~~~ SPOILERS AHEAD ~~~

Novelty Automation

Wenn ich oben von „Ungeplantem“ sprach, meinte ich genau dieses Erlebnis. Ein schneller Log sollte es sein, ein kurzer Besuch an einer vermutlich nett gestalteten, aber unspektakulären Dose. Wie sehr sollte ich mich mal wieder irren…

Der Geocache (GC7QEJJ) führte uns in eine etwas abgelegene Seitenstraße, die allerdings nicht weit weg von unserem Hotel enfernt lag und damit fußläufig zu erreichen war. Das Listing des Caches beinhaltete einen Hinweis auf relativ kurze Öffnungszeiten, mit Ausnahme des „Langen Donnerstags“, der für uns an diesem Tag bestens passte. Wir mussten einen kleinen Laden betreten. Mit dem interessanten Namen Novelty Automation.

Es ist sonst absolut nicht meine Art, Geocaches derartig zu spoilern. Hier muss ich das aber zumindest so weit tun, um wirklich Werbung für dieses gefundende Kleinod machen zu können, das mit Sicherheit jede Werbung und jeden Penny gut gebrauchen kann.

In dem Laden finden sich lauter sonderbare Automaten. Ich möchte nicht sagen Spielautomaten, weil das ein falsche Bilder im Kopf entstehen ließe. Es sind kleine Maschinen, meist mechanischer Art. Mit einigen kann man spielen, anderen schaut man nur amüsiert bei ihrem Werk zu. Sie erzählen Geschichten, sie entführen in fremde Welten, sie hinterfragen deine Gewohnheiten oder bringen einen schlicht zum Lachen. All diese Maschinen sind unfassbar liebevolle Eigenkreationen des Besitzers, einen alten, freundlich lächelnden Mann mit schelmischem Blick, der gerade im Laden herumwerkelte, um eine Weihnachtsbeleuchtung zu installieren. In meiner Fantasie ist das ein alter Tüftler, ein pensionierter Ingenieur, der an Spaß an der Freude in seinem kleinen Keller mechanische Teile aneinander schraubt und neugierig schaut, was daraus wohl entstehen möge.

Es ist möglich, alle diese Wunderwerke auszuprobieren, die entsprechende notwendige Anzahl an Chips kann man käuflich erstehen. An einigen von ihnen lässt sich ein Spiel auch gewinnen. Tut man dies, ist es der Dame an der Kasse eine kindische Freude, einem dann einen kleinen Preis zu überreichen, der stets zur jeweiligen Maschine passt. Bei einem gab es ein Foto überreicht und für einen anderen Preis rannte sie einmal quer durch den Laden, entrollte etwas Metallfolie, zog eine kleine Handstanze hervor und prägte so kurzerhand einen gewonnenen „Nobelpreis“. Ich bin außerdem Besitzer eines Knebelvertrags für eine Amazon-Arbeitstelle, der rechtskräftig wird, sobald ich ihn – natürlich waschecht mit eigenem Blut – unterzeichnen würde.

Was hatten wir für einen Spaß! Die Zeit verging wie im Fluge und so blieb uns dann nichts anderes mehr übrig, als entspannt zurück zum Hotel zu flanieren, dort unser Gepäck aufzusammeln und dann zum Flughafen zu fahren. Es waren sechs unvergessliche, wunderbare und ereignisreiche Tage! Danke, London!