Ruminarium

Zurschausstellung meiner Grübeleien


London 2025, Tag 4

Harry Potter Studio Tour

… oder Warner Bros. Studio Tour London – The Making of Harry Potter, wie es offiziell heißt.

Um die drei Sunden hatte ich hier gerechnet. Plus eine Stunde danach für den exklusiven Afternoon Tea in der Great Hall, den man separat buchen konnte. Ich habe mich selten so krass verschätzt.

Niemals hätte ich erwartet, so eine riesige Ausstellung vor mir zu haben. Niemals hätte ich geglaubt, dass wir mit einer Buchung um elf Uhr irgendwelche Zeitprobleme für die nachfolgende Abendveranstaltung bekommen könnten.

Gut, aus verschiedenen Gründen waren wir nicht ganz pünktlich, das gebe ich zu. Aber diese kleine Verspätung ging im Rauschen der Zeit unter, die wir letztlich auf der Studio Tour benötigten. Als wir uns vierzehn Uhr zum Afternoon Tea einfanden, hatten wir erst ungefähr die Hälfte geschafft – und waren kognitiv sowie physisch schon langsam am Limit. Diese Pause und der leckere Tee war absolut willkommen, wenngleich sie ursprünglich eigentlich als Abschluss gedacht war.

Am Eingang begrüßten uns schon die bekannten Schachfiguren, im Foyer war das unwohlige Gefühl beim Unterqueren des Ukrainischen Eisenbauchs nicht ganz weg zu diskutieren – und dann wurde es quälend langsam. Eine Schlange bildete sich, die nur in sehr zähem Schlurfen vorwärts tröpfelte. Vorbei an der berühmten Treppe, dem ersten Heim von Harry, und vorbei an einer Vielfalt von Filmplakaten. Das konnte ja heiter werden.

Doch hier wurden nur Gruppen separiert, wie sich gleich zeigen sollte. Eine gut durchdachte Portionierung der Schaulustigen, um in der eigentlichen Ausstellung die vielen Menschen ein wenig zu steuern und zu entzerren.

Und dann prasselten die Eindrücke auf einen ein. Schlag auf Schlag, es war verrückt. Es war schwer, seine Blicke von den vielen, vielen Ausstellungsstücken und ihren fantastischen Details loszureißen, um unmittelbar, nur wenige Zentimeter entfernt am nächsten Objekt festzuhängen, es zu entdecken, zu erforschen und zu inspizieren. Mein Auge hielt nicht mehr still, mein Fotoapparat war auf Dauerfeuer gestellt und sollte im Laufe des Tages fast einanderthalb tausend Bilder produziert haben.

Es ist alles da. Vom kleinsten Ring bis hin zur gigantischsten Halle. Vom schnellsten Besen bis zum fliegenden Auto, von der sonderbarsten Perücke bis zum edelsten Kleid.

Die Hallen sind riesig, es gibt Kinos, es gibt einen Außenbereich, es gibt Werkstätten und riesige Set-Nachbildungen. Die Masse der Leute, die am Anfang anstanden, verlaufen sich überraschend gut, man hat fast immer die Chance, alles in Ruhe anzuschauen und zu fotografieren. Auch die gelegentlichen Vorführungen von Filmtechniken oder ähnlichem sind niemals so überfüllt, dass es keinen Spaß machen würde. Die Tour ist wirklich sehr gut organisiert und geplant. Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie riesig sie ist?

Wir waren irgendwann komplett übersättigt. Ich persönlich muss sagen, dass mir das letzte Drittel nicht mehr wirklich eingänglich war. Mein Kopf war zu, die Beine fingen an, nach Pausen zu schreien. Und das ist wirklich schade, denn es gibt dort noch so viele Highlights zu entdecken, an denen ich zwar überfordert fotografierend, aber eigentlich eher erschöpft als interessiert vorbei gestolpert bin. Tausende tolle Sachen – Skizzen, Artworks, Modelle genauso wie noch riesigere Filmsets. Und alles wollte und müsste genauso angehimmelt werden, wie die unzähligen Artefakte vorher. Es war in dem Moment schon klar: Das hier verhält sich so wie das Miniaturwunderland in Hamburg: Man muss unbedingt mehrfach hin, und man muss jedes Mal woanders starten, damit man mit einem entspannten Geist auch die letzten Ausstellungsstücke ausreichend würdigen kann.

© by Warner Bros.

The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy Live

Um 19:30h sollte unser Abendprogramm starten. Und es begann, wirklich knapp zu werden, bedachte man die etwa einstündige Fahrt zum Theater. Mir war von Anfang an nicht ganz klar, was uns da wohl geboten werden würde, aber dieser Titel triggerte mich natürlich sofort. Ein richtiges Theaterstück war es wohl nicht, eher eine „Immersive Show“, was auch immer das konkret heißen sollte. Ich stimmte meine bessere Hälfte schon einmal vorsichtig darauf ein, dass man eventuell den Abend nicht gemütlich auf einem Theaterstuhl verbringen könnte, aber so genau wusste ich das eben auch nicht.

Der Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams als Live-Performance. Nach zwei Versuchen, das ganze als Film herauszubringen und die beide im Großen und Ganzen gefloppt sind, war ich durchaus gespannt, eine neue Umsetzung sehen und erleben zu dürfen.

Doch die Zeit drängte. Wir saßen mittlerweile im richtigen Zug und ich prüfte noch einmal die Tickets. Da kam diese E-Mail durch den Äther:

Hello Mark,

Your order of The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy Live on 2 December 2025 at 19:30 is cancelled.

We’re sorry to let you know that your performance has been cancelled by the production due to sickness in the company.

Theatre London, 02.12.2025

Oh noooo!

Ich gebe zu, mein Ärger hielt sich tatsächlich in Grenzen – und die Reaktion meiner Begleitung tendierte vermutlich sogar in Richtung Freude. Ja, ich hätte wirklich sehr gern diese Adaption gesehen. Und doch – wir waren nach diesem Tag einfach kognitiv zu nichts mehr zu gebrauchen. Wir hätten uns nur sehr schwer vorstellen können, noch einmal irgendetwas aufnehmen zu können und irgendwie war der Gedanke daran, jetzt einfach ins Bett zu fallen und die Füße hochlegen zu dürfen, sehr sehr beruhigend und reizvoll.

Vielleicht bietet sich ja noch ein anderes Mal diese Gelegenheit. Und schaut man sich die Kritiken an, sind diese sowieso eher verhalten. Bestimmt haben wir eigentlich gar nichts verpasst.

[to be continued]