Das Wetter war, anders als man es vielleicht von London im Winter erwarten würde, sehr einladend. Nur ein paar kleine Wattewölkchen wanderten harmlos über einen strahlend blauen Himmel.
Nun ist das Problem, dass London so unfassbar groß und vielfältig ist, dass man ohne eine konkreten Plan beinahe hilflos in der schieren Masse der Möglichkeiten untergehen würde. Daher hatte ich vorab schon einmal ein paar Ziele ausgesucht, die man im unwahrscheinlichen Fall, dass wir gerade zu dem Zeitpunkt, an dem wir ausnahmsweise nichts Festes geplant hatten, auch eine einladende Witterung haben sollten. So wie jetzt. Und so setzten wir uns in einen roten Doppeldeckerbus und ließen uns einmal quer durch die Innenstadt nach Pimlico fahren. Von dort war es nur ein Katzensprung bis zur Themse, wo auch schon mein Ziel wartete, das SIS Building.

Zu meiner Überraschung stand das Gebäude noch, das nicht nur neben James Bond zahlreichen Kinoagenten als Hauptquartier dient, sondern tatsächlich ein Geheimdienst-Headquarter ist.
Von dort liefen wir, den Sonnenschein direkt im Rücken, zur Westminster Bridge, um das reizvolle Licht für unendlich viele Fotos des Big Bens und des Parlamentgebäudes zu nutzen. Die bessere Hälfte kürzte ab, ich lief weiter über Charing Cross zum Trafalgar Square, wo ich noch eine Geocaching-Sache vom September zum Abschluss bringen wollte, was damals aufgrund einer Veranstaltung nicht möglich war. Doch die Zeit drängte nun langsam, was ein Zustand war, der sich noch einige Male in dieser Woche wiederholen sollte.
A Christmas Carol – A Ghost Story
Die Verbindungen zum Alexandra Palace waren alles andere als günstig. Insbesondere der letzte Teil, der im Bus zu absolvieren war, der ordentliche Probleme mit dem Verkehr hatte, wurde dann zur Geduldsprobe. Das Theaterstück sollte in wenigen Minuten beginnen. Auch die Ausschilderung am „Ally Pally“ selbst war eher dürftig: Es stellte sich heraus, dass es wohl mehrere Event-Locations im Gebäude gab und den richtigen Eingang zu finden, ähnelte eher einem Glücksspiel. Natürlich war es der am Weitesten entfernte.
Gerade noch rechtzeitig angekommen, ließ der Blick in das Theater uns jeden Stress augenblicklich wieder vergessen. Was für eine tolle Kulisse! Das Theater selbst ist in das Palace eingebaut und eigentlich auch nur eine künstliche Fassade, die auf alt und heruntergekommen gestaltet wurde. Richtig schön passend für ein Theaterstück, das im Grunde von Armut handelt. Charles Dickens‘ Eine Weihnachtsgeschichte.
Die Geschichte selbst ist natürlich bis in jedes Detail und jede Variation bekannt, allen voran natürlich die der Muppets. Dieses Theaterstück präsentierte eine sehr klassische Interpretation, die so mit so viel Liebe und Hingabe gestaltet war, dass ein dauerhaftes Vergnügen wurde. Der Blick war kaum von den begeisternden Darstellern, den eigentlich einfachen, doch sehr wirkungsvollen Bühnenbildern und Kostümen abzubringen. Es wurden dennoch alle Möglichkeiten des heutigen, modernen Theaters genutzt. Ein passendes Geräusch kam manchmal über die rückwärtigen Lautsprecher und die Beschilderung von Scrooges Kanzlei änderte sich zu gegebener Zeit. Sehr dezent, um das klassiche Ambiente nicht zu stören, doch unwahrscheinlich wirkungsvoll.
Ich gehe wirklich nicht oft in Theater, wie vor einigen Monaten bereits geschrieben. Zu oft erlebte ich einfach noch drei graue Pappwände als Kulisse und eine Mischung als alltäglicher Kleidung und sterilen Bettlaken als Kostüme. Zu oft waren die gezeigten Stücke mit so viel Freiheiten versehen, dass man meist hinterher kopfschüttelnd das Gebäude verließ und sich fragte, ob der Regisseur mal wieder zu viel am grauen Lack gerochen hätte. Stundenlange Langeweile für Eintrittspreise, die einem einen Tag Kinounterhaltung hätte bescheren können.
Wäre Theater öfter so, wie diese Aufführung in London, dann wäre ich Stammgast. Wir hatten unsere helle Freude. Alles stimmte und schon zur Pause war mein einziger Kommentar nur: „Exakt so muss Theater sein!“















